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<title>Informelle Wirtschaft</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Informelle Wirtschaft</span></h1>
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<p>Als <b>informelle Wirtschaft</b> (auch <b>informeller Sektor</b> oder <a href="Schattenwirtschaft" title="Schattenwirtschaft">Schattenwirtschaft</a>) wird jener Teil einer <a href="Volkswirtschaft" title="Volkswirtschaft">Volkswirtschaft</a> bezeichnet, dessen wirtschaftliche Tätigkeiten nicht in der offiziellen Statistik erfasst sind. In industrialisierten Ländern wird häufig vom informellen Sektor als <a href="Legalit%C3%A4t" title="Legalität">legalem</a> Teil der Schattenwirtschaft in Abgrenzung zur illegalen Schattenwirtschaft (<a href="Schwarzarbeit" title="Schwarzarbeit">Schwarzarbeit</a> und <a href="Schwarzmarkt" title="Schwarzmarkt">Schwarzmarkt</a>) gesprochen.
</p><p>In Entwicklungsländern gehören die Herstellung und der Verkauf von Produkten auf lokalen Märkten und einfache Dienstleistungen dazu. Durch den informellen Sektor erhöht sich das <a href="Bruttoinlandsprodukt" title="Bruttoinlandsprodukt">BIP</a> eines Landes nur indirekt, da sich durch die Wertschöpfung in diesem Bereich Umsatzsteigerungen im <a href="Formeller_Sektor" title="Formeller Sektor">formellen Sektor</a> ergeben können.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Institutionsökonomische_Herkunft_des_Begriffs"><span id="Institutions.C3.B6konomische_Herkunft_des_Begriffs"></span>Institutionsökonomische Herkunft des Begriffs</h2></div>
<p>Unter institutionsökonomischer Sicht wird die Wirtschaft als Konstrukt verschiedener Regeln gesehen. Dabei ist nach formellen Regeln zu unterscheiden, die in irgendeiner Weise kodifiziert sind – das heißt, hier handelt es sich um das von jedem einsehbare und einklagbare Recht. Informelle Regeln sind dagegen nicht kodifiziert – es handelt sich dabei zum Beispiel um <a href="M%C3%BCndlicher_Vertrag" class="mw-redirect" title="Mündlicher Vertrag">mündliche Vereinbarungen</a>, Tabus oder Riten. Wenn nun vom „informellen Sektor“ gesprochen wird, handelt es sich also zunächst einmal um einen wirtschaftlichen Bereich, der nicht durch das allgemein gültige Recht abgegolten wird – der bisweilen sogar dagegen verstößt. Naturgemäß führen informell Tätige keine direkten Steuern oder sonstige Abgaben (Einkommensteuer usw.) ab; sie können allerdings sehr wohl indirekte Steuern (wie Umsatzsteuer) zahlen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Legalität"><span id="Legalit.C3.A4t"></span>Legalität</h2></div>
<p>Während alle Betätigungen, die den formellen Regeln einer Wirtschaft folgen, immer auch <a href="Legalit%C3%A4t" title="Legalität">legal</a> sind, müssen nicht alle informellen Betätigungen „illegal“ sein. Dort, wo das allgemeine Recht keine Regelung vorsieht oder eine (allgemeine) Regel möglicherweise auch nicht sinnvoll ist, besteht eine Regelungslücke, die von informellen Institutionen (Regeln) ausgefüllt wird. So bestehen Arbeitsverhältnisse in der Regel sowohl aus formellen wie auch aus informellen Regelungen (bspw. aus dem formellen, gesetzlich geregelten <a href="Mindesturlaub" class="mw-redirect" title="Mindesturlaub">Mindesturlaub</a> und den informellen, vom Arbeitgeber freiwillig gewährten zusätzlichen Urlaubstagen). Werden formelle Regeln durch informelle Regeln sinnvoll ergänzt, ist vom <i>institutionellen Gleichgewicht</i> die Rede.
</p><p>Da illegale Handlungen, wie beispielsweise Drogen- oder Waffenhandel, gegen geltendes (formelles) Recht verstoßen, sind diese auch immer informell. Die informelle Wirtschaft ist jedoch durch legale Handlungen gekennzeichnet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Arbeitsverhältnisse"><span id="Arbeitsverh.C3.A4ltnisse"></span>Arbeitsverhältnisse</h2></div>
<p>Eine genaue Erfassung ist hier kaum möglich, da diejenigen, die im informellen Sektor beschäftigt sind, bei Umfragen und Forschungen falsche Angaben zu ihrer Beschäftigung machen, um Konsequenzen und weiteren Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen.
Im informellen Sektor sind eine Vielzahl von heterogenen Beschäftigungen zusammengefasst. Dazu gehören einfachste Dienstleistungen wie Schuhputzer, Eisverkäufer oder Scheibenputzer an Ampeln und urbane Überlebenskünstler, aber auch weite Teile der Hausangestellten, Heimarbeiter und Mikrounternehmer mit weniger als fünf Mitarbeitern. Daher muss die Mehrzahl der Beschäftigten der Unterschicht zugerechnet werden, doch arbeiten durchaus auch Mittelschichtsangehörige im informellen Sektor.
</p><p>Die Arbeitsbeziehungen im informellen Sektor unterscheiden sich also grundlegend von denen des formellen Sektors:
</p>
<ul><li>kaum oder keine Trennung der Produktionsfaktoren <a href="Arbeit_(Volkswirtschaftslehre)" title="Arbeit (Volkswirtschaftslehre)">Arbeit</a> und <a href="Kapital" title="Kapital">Kapital</a>: Selbständigkeit und <i>cuenta propia</i> (Arbeiten auf eigene Rechnung) sind verbreitet.</li>
<li>keine eigene Rechtspersönlichkeit des Unternehmens; Eigentümer sind private Haushalte oder Privatpersonen</li>
<li>Keine Formalisierung der Arbeitsverhältnisse: Arbeitsverträge werden meist mündlich und nur für extrem kurze Dauer geschlossen.</li>
<li>Entzug staatlicher Kontrolle: Arbeitsschutzgesetze, <a href="Lohnfortzahlung" class="mw-redirect" title="Lohnfortzahlung">Lohnfortzahlung</a> im Krankheitsfall, Kündigungsschutz oder <a href="Mindestlohn" title="Mindestlohn">Mindestlöhne</a> finden mangels Arbeitsverträgen keine Anwendung.</li>
<li><a href="Sozialversicherung" title="Sozialversicherung">Sozialversicherung</a> wie Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- oder Unfallversicherung gibt es kaum.</li>
<li>Statistisch lassen sich informelle Arbeitsverhältnisse sowohl in ihrer Stückzahl, als auch in ihren Einkünften kaum erfassen.</li>
<li>niedrige Organisationsebene und kleine Produktionseinheiten, Beschäftigung von <a href="Familie_(Soziologie)" class="mw-redirect" title="Familie (Soziologie)">Familienmitgliedern</a></li></ul>
<p>Eine genaue Zuordnung zur Informalität ist auch deshalb nicht möglich, weil es verschiedene Überschneidungen zwischen formeller und informeller Wirtschaft gibt. Ferner ist zu beachten, dass nicht überall dort, wo informell gearbeitet wird, es sich auch jeweils um illegale Arbeit handelt. Praktisch gehören auch verwandtschaftliche Haushaltshilfen, <a href="Ehrenamt" title="Ehrenamt">Ehrenämter</a> (u.&nbsp;ä.) zum informellen Sektor. Diese Tätigkeiten lassen sich aber nicht immer beziffern und folgen in der Regel anderen „Gesetzmäßigkeiten“ – aus gesellschaftspolitischer und ethischer Sicht ist fraglich, ob solche Tätigkeiten immer rein ökonomisch bewertet werden sollten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Wirkungen">Wirkungen</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Folgen_für_die_Betroffenen"><span id="Folgen_f.C3.BCr_die_Betroffenen"></span>Folgen für die Betroffenen</h3></div>
<p>Ein Großteil der im informellen Sektor tätigen Bevölkerung ist der Unterschicht zuzurechnen. Durch unsichere Einkommensperspektiven, die fehlende Mitgliedschaft in sozialen Versicherungssystemen und ein geringes Lohnniveau verschärfen informelle Arbeiten diesen Trend. Häufig perpetuieren (verfestigen) prekäre Wohnsituationen und ein unerschwingliches Gesundheits- und Bildungssystem die Lage für die Betroffenen selbst und auch die nachfolgende Generation.
</p><p>Ökonomisch besonders relevant ist die Unsicherheit, mit der die Betroffenen konfrontiert sind, weil ihre Handlungen eben nicht durch das formelle Recht „gesichert“ werden. Das führt unter anderem zu weniger Investitionsfreude – insbesondere auf das eigene <a href="Humankapital" title="Humankapital">Humankapital</a> bezogen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Auswirkungen_auf_die_Volkswirtschaft">Auswirkungen auf die Volkswirtschaft</h3></div>
<p>Informelle Unternehmen und <a href="Subsistenzwirtschaft" title="Subsistenzwirtschaft">Subsistenzunternehmer</a> sind gekennzeichnet durch
</p>
<ul><li>meist kleine Produktionseinheiten</li>
<li>Konzentration auf den Dienstleistungssektor (<i>Non-Tradables</i>) und den <a href="Binnenmarkt" title="Binnenmarkt">Binnenmarkt</a></li>
<li>keine <a href="Akkumulation_(Wirtschaft)" title="Akkumulation (Wirtschaft)">Akkumulation</a> von <a href="Sachkapital" title="Sachkapital">Sachkapital</a></li>
<li>kaum Akkumulation von Humankapital und Technologien</li></ul>
<p>In der Folge arbeitet der Informelle Sektor meist sehr <a href="Produktivit%C3%A4t" title="Produktivität">unproduktiv</a>. Aus diesem Grund wird er auch Niedrigproduktivitätssektor genannt. Nicht nur für die Betroffenen, auch für die gesamte <a href="Volkswirtschaft" title="Volkswirtschaft">Volkswirtschaft</a> hat dies drastische Konsequenzen:
</p>
<ul><li>Durch die mangelnde Kapitalakkumulation wird die langfristige Produktivitätsentwicklung entscheidend geschwächt. Damit werden zukünftiges Wachstum, Wohlstand und Konsummöglichkeiten der Volkswirtschaft verringert.</li>
<li>Verstärkt wird dies durch die Konzentration auf den Dienstleistungssektor und damit den lokalen oder Binnenmarkt. Weder können so technologische Impulse vom Weltmarkt kommen, noch können mit Exporterlösen <a href="Investitionsg%C3%BCter" class="mw-redirect" title="Investitionsgüter">Investitionsgüterimporte</a> finanziert werden.</li>
<li>Durch die Abwesenheit als Beitragszahler für die <a href="Sozialversicherung" title="Sozialversicherung">Sozialversicherung</a> und als <a href="Steuer" title="Steuer">Steuerzahler</a> vermindern sie die Einnahmemöglichkeiten des <a href="Staat" title="Staat">Staates</a></li></ul>
<p>Im Gegensatz dazu können auch <b>positive</b> Aspekte gesehen werden.
</p>
<ul><li>Die informelle Wirtschaft gewährt in verschiedenen Bereichen zumindest eine Art Grundversorgung, das heißt, es findet ein (minimaler) sozialer Ausgleich statt; genau genommen ermöglicht der informelle Sektor eine Art <a href="Subsistenzwirtschaft" title="Subsistenzwirtschaft">Subsistenzwirtschaft</a> und damit Eigenständigkeit. In wirtschaftlichen Krisenzeiten kann der informelle Sektor tw. einige Funktionen der formellen "normalen" Wirtschaft übernehmen und damit zur Widerstands- und Überlebensfähigkeit der sozio-politischen Ordnung beitragen (Beispiel: Zusammenbruch der <a href="Sowjetunion" title="Sowjetunion">Sowjetunion</a> und der sowjetischen <a href="Zentralverwaltungswirtschaft" title="Zentralverwaltungswirtschaft">Zentralverwaltungswirtschaft</a> Ende <a href="1991" title="1991">1991</a>, ohne dass dies zu größerem Massenelend führte).</li>
<li>Es werden aktuell geltende ordnungspolitische (= <i>formelle</i>) Regeln und Strukturen in Frage gestellt; ein institutioneller Wandel kann so eingeleitet werden.</li>
<li>Eine <b>größere</b> Produktvielfalt für Personen mit geringerem Einkommen kann die Folge sein, wenn nicht sogar eine Grundversorgung überhaupt.</li>
<li>Aufgrund der beschränkten Mittel finden wirtschaftliche Akteure möglicherweise kreative Alternativlösungen, zum Beispiel, um an Gelder für die Finanzierung bestimmter Projekte zu gelangen – dies gilt unter anderem für so genannte informelle Bankensysteme, in denen von privater Hand Geld verliehen wird. Hier werden also wiederum bestimmte Ressourcen ganz gezielt und effektiv genutzt, was sich aus ökonomischer Sicht wohlstandsfördernd begreifen lässt.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Konsequenzen_für_das_politische_System"><span id="Konsequenzen_f.C3.BCr_das_politische_System"></span>Konsequenzen für das politische System</h3></div>
<p>Einher mit der Loslösung von staatlichem Einfluss (Steuer-, Sozialversicherungssysteme) geht auch eine Abkoppelung von politischen intermediären Organisationen. <a href="Politische_Partei" title="Politische Partei">Parteien</a> und <a href="Gewerkschaft" title="Gewerkschaft">Gewerkschaften</a> spielen im informellen Sektor kaum eine Rolle. Dadurch können die Betroffenen auch nicht den politischen Einfluss gewinnen, der nötig ist, um den Staat zur Verbesserung der Situation zu bewegen.
</p><p>Gleichwohl entstehen in der Informalität aber auch Kräfte, die den Staat als solches in Frage zu stellen vermögen. Insofern besteht einerseits die Gefahr von „Parallelgesellschaften“, andererseits aber auch ein „gesellschaftlicher Druck“ zur (politischen) Veränderung. Letzteres zeigt sich unter anderem in den Bestrebungen, bestimmte Güter zu legalisieren (z.&nbsp;B. Drogen), oder aber im Abbau von Bürokratie.
</p><p>Neopopulismus als politisches Herrschaftskonzept ist eng mit der massenhaften Ausbreitung der Informalität in <a href="Lateinamerika" title="Lateinamerika">Lateinamerika</a> seit Anfang der 1980er Jahre und mit dem einhergehenden Niedergang der vermittelnden Akteure verbunden. Präsidenten wie <a href="Alberto_Fujimori" title="Alberto Fujimori">Alberto Fujimori</a>, <a href="Hugo_Ch%C3%A1vez" title="Hugo Chávez">Hugo Chávez</a> und <a href="Evo_Morales" title="Evo Morales">Evo Morales</a> betonen stark ihre Verwurzelung im Volk und ihren direkten Kontakt zu den Massen. Durchaus als charismatischer Herrscher im Sinne <a href="Max_Weber" title="Max Weber">Max Webers</a> zu interpretieren, unterscheiden sie sich von "klassischen" <a href="Populismus" title="Populismus">Populisten</a> wie <a href="Juan_Per%C3%B3n" title="Juan Perón">Juan Perón</a> (der sich vor allem auf gewerkschaftliche Arbeiter stütze) durch ihre Anhängerschaft im informellen Sektor.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bedeutung">Bedeutung</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Verbreitung">Verbreitung</h3></div>
<p>Gerade <a href="Entwicklungsl%C3%A4nder" class="mw-redirect" title="Entwicklungsländer">Entwicklungsländer</a> sind oft durch einen informellen Sektor gekennzeichnet, der einen Großteil der Bevölkerung ernährt. In <a href="Lateinamerika" title="Lateinamerika">Lateinamerika</a> und Nord<a href="Afrika" title="Afrika">afrika</a> beschäftigt er etwa die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung. In einigen Ländern <a href="Asien" title="Asien">Asiens</a> und fast im gesamten <a href="Sub-Sahara-Afrika" class="mw-redirect" title="Sub-Sahara-Afrika">Sub-Sahara-Afrika</a> sind mehr als zwei Drittel der Bevölkerung im informellen Sektor tätig. Aber auch in <a href="OECD" class="mw-redirect" title="OECD">OECD</a>-Ländern beträgt der Grad der Informalität bis zu 15 Prozent.
</p><p>Hierbei zu beachten ist, dass die Informalität eben nicht nur negative Wirkungen hat – mit ihr werden Menschen ernährt und bürokratische Hürden umgangen. Wegen Letzterem ist illegale Informalität oft auch mit <a href="Korruption" title="Korruption">Korruption</a> verbunden, welche streng genommen und für sich ebenfalls als informelle Tätigkeit einzustufen ist.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Bedeutung_für_Entwicklungsländer"><span id="Bedeutung_f.C3.BCr_Entwicklungsl.C3.A4nder"></span>Bedeutung für Entwicklungsländer</h3></div>
<p>Die meisten Betriebe im informellen Sektor sind Familienunternehmen, wie es für <a href="Entwicklungsland" title="Entwicklungsland">Entwicklungsländer</a> auch noch Tradition ist. Wegen der schlechten beruflichen Ausbildungen und des Mangels an Geld wird einfachste Technik verwendet. Zu den Tätigkeiten im informellen Sektor gehören unter anderem die des Müllsammlers, -sortierers, und -verwerters, Standhändlers, Lastenträgers und Dorfschmiedes, die Frauen verkaufen das Gesammelte ihrer Kinder weiter an die Zwischenhändler. Die Frauen arbeiten als Hausangestellte (unter der Hand vermittelt) oder verkaufen frisches Obst, Gemüse und Blüten auf regionalen Märkten für Opfergaben. Ihr erwirtschaftetes Geld trägt zum Familieneinkommen bei. Die Arbeit der ehemaligen Landfrauen erscheint aber nicht in den offiziellen Statistiken, da ihre Tätigkeiten als Haushaltsarbeit angesehen werden. Der Lohn in diesen Berufen ist sehr gering, die Produktion sehr arbeitsintensiv. Die schlechten Arbeitsbedingungen werden akzeptiert, weil keine Alternativen vorhanden sind und die Menschen das Geld zum Überleben benötigen. In der Vergangenheit kam immer wieder eine Diskussion darüber auf, wie man durch (berufliche) Bildung die Menschen im informellen Sektor unterstützen könne (vgl. Overwien/Lindemann 2003).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ikonografie">Ikonografie</h2></div>
<p>Das <a href="Triptychon" title="Triptychon">Triptychon</a> <i>La familia informal</i> (Die informelle Familie, 1992)<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> des Malers <a href="Herman_Braun-Vega" title="Herman Braun-Vega">Herman Braun-Vega</a>, Teil der ständigen Sammlung des Ralli-Museums in <a href="Marbella" title="Marbella">Marbella</a>, behandelt das Thema der informellen Wirtschaft.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Es entstand im Rahmen einer Serie von sechzehn Gemälden über Synkretismus und Mestizaje für eine Retrospektive in <a href="Madrid" title="Madrid">Madrid</a> im Jahr 1992 anlässlich der Feierlichkeiten zum fünfhundertsten Jahrestag der Begegnung zweier Welten. Dieses Triptychon verbindet die informelle Wirtschaft der Entwicklungsländer, die der Künstler als „ein Wirtschaftssystem, das mit dem Überleben verbunden ist, autonom gegenüber dem Staat ist und sich der Besteuerung entzieht“ definiert, mit einer Reflexion über Mestizaje und soziale Integration.<sup id="cite_ref-:0_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-:0-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In Anlehnung an die architektonische Struktur von <a href="Diego_Vel%C3%A1zquez" title="Diego Velázquez">Velázquez</a>' <i><a href="Las_Meninas" title="Las Meninas">Las Meninas</a></i> stellt Braun-Vega „Volksfiguren aus der informellen Wirtschaft“ neben Mitgliedern seiner Familie sowie künstlerischen und literarischen Persönlichkeiten dar und bildet so das, was er eine „informelle Familie“ nennt.<sup id="cite_ref-:0_3-1" class="reference"><a href="#cite_note-:0-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Werk wurde im Schuljahr 1994–1995 in einem Bildungsprogramm des französischen Ministeriums für Bildung, Kultur und <a href="Frankophonie" title="Frankophonie">Frankophonie</a> verwendet, wo es in dreizehn Schulen als pädagogisches Material über Subsistenzwirtschaft und kulturellen Austausch zwischen den Völkern präsentiert wurde.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://pw-portal.de/auswahlbibliografien/95-ueberlebensoekonomien">Politikwissenschaftliche Literatur</a> zur informellen Wirtschaft in der <a href="Annotierte_Bibliografie_der_Politikwissenschaft" title="Annotierte Bibliografie der Politikwissenschaft">Annotierten Bibliografie der Politikwissenschaft</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Hernando_de_Soto_(%C3%96konom)" title="Hernando de Soto (Ökonom)">Hernando de Soto (Ökonom)</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weiterführende_Literatur"><span id="Weiterf.C3.BChrende_Literatur"></span>Weiterführende Literatur</h2></div>
<ul><li>Hans-Heinrich Bass, Markus Wauschkuhn: <i>Informeller Sektor.</i> In: J. E. Mabe (Hrsg.): <i>Das kleine Afrika-Lexikon.</i> Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2004, S. 78–81.</li>
<li><a href="Andrea_Komlosy" title="Andrea Komlosy">Andrea Komlosy</a>, C. Parnreiter, I. Stacher, S. Zimmermann (Hrsg.): <i>Ungeregelt und unterbezahlt. Der informelle Sektor in der Weltwirtschaft.</i> Brandes &amp; Apsel, Frankfurt 1997, ISBN 3-86099-171-X.</li>
<li>R. Durth, H. Körner, K. Michaelowa: <i>Neue Entwicklungsökonomik.</i> Lucius &amp; Lucius, Stuttgart 2002, ISBN 3-8252-2306-X.</li>
<li>B. Overwien, H.-J. Lindemann: <i>Für das (Über)Leben lernen. Berufsausbildung für Beschäftigte im informellen Sektor erfordert neue Konzepte.</i> In: <i>Der Überblick (Zeitschrift für ökumenische Begegnung und internationale Zusammenarbeit).</i> 39. Jahrgang, Nr. 1, März 2003, S. 48–51. Siehe auch: <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
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/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20120201001245/http://cms.uni-kassel.de/unicms/fileadmin/groups/w_150701/EZ-inf-lernen0203.pdf"><i>Berufliche Bildung für den informellen Sektor.</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 1. Februar 2012 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>)</li>
<li>Reinhold Sellien (Hrsg.): <i>Gablers Wirtschafts-Lexikon.</i> 16. Auflage. Gabler, Wiesbaden 2004.</li>
<li>Iris Wellesen: <i>Institutionelle Neuerung und politischer Prozess. Die Erklärung von Regeländerungen über den politischen Markt.</i> S + W, Hamburg 1994, ISBN 3-89161-818-2.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">Herman Braun-Vega: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://braunvega.com/picture?/174"><i>Die informelle Familie (Velázquez, Goya, Picasso).</i></a> (Triptychon, Acryl auf Holz, 250 × 520 cm) 1992,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 23.&nbsp;Oktober 2025</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AInformelle+Wirtschaft&amp;rft.title=Die+informelle+Familie+%28Vel%C3%A1zquez%2C+Goya%2C+Picasso%29&amp;rft.description=Die+informelle+Familie+%28Vel%C3%A1zquez%2C+Goya%2C+Picasso%29&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fbraunvega.com%2Fpicture%3F%2F174&amp;rft.creator=Herman+Braun-Vega&amp;rft.date=1992">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">Silvia Sánchez Ruiz: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://museoralli.es/en/outstanding-works/the-informal-family/"><i>“La familia informal”.</i></a> In: <i>MuseoRalli.</i><span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 23.&nbsp;Oktober 2025</span> (englisch): „With the “informal” family, Braun-Vega is referring to the informal economy of underdeveloped countries: a family system that ranges from relatives to domestic servants who do not pay taxes.“</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AInformelle+Wirtschaft&amp;rft.title=%E2%80%9CLa+familia+informal%E2%80%9D&amp;rft.description=%E2%80%9CLa+familia+informal%E2%80%9D&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fmuseoralli.es%2Fen%2Foutstanding-works%2Fthe-informal-family%2F&amp;rft.creator=Silvia+S%C3%A1nchez+Ruiz&amp;rft.language=en">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-:0-3"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-:0_3-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-:0_3-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Patrick Fourneret: <cite class="lang" lang="fr es" dir="auto" style="font-style:italic">Braun-Vega en 24 tableaux et un entretien</cite>. Begleitheft zur interaktiven CD. CRDP de Franche-Comté, Besançon 1995, La familia informal, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>46–47</span> (französisch, spanisch, <a rel="nofollow" class="external text" href="https://braunvega.com/picture?/3034/category/576-braun_vega_en_24_tableaux_et_un_entretien">braunvega.com</a>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abookitem&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Informelle+Wirtschaft&amp;rft.atitle=La+familia+informal&amp;rft.au=Patrick+Fourneret&amp;rft.btitle=Braun-Vega+en+24+tableaux+et+un+entretien&amp;rft.date=1995&amp;rft.genre=bookitem&amp;rft.pages=46-47&amp;rft.place=Besan%C3%A7on&amp;rft.pub=CRDP+de+Franche-Comt%C3%A9" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><cite class="lang" lang="es" dir="auto" style="font-style:italic">Artista en Familia</cite>. In: <cite class="lang" lang="es" dir="auto" style="font-style:italic">Caretas</cite>. Lima 14.&nbsp;September 1995, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>90–91</span> (spanisch, <a rel="nofollow" class="external text" href="https://braunvega.com/picture?/549">braunvega.com</a>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Informelle+Wirtschaft&amp;rft.atitle=Artista+en+Familia&amp;rft.btitle=Caretas&amp;rft.date=1995-09-14&amp;rft.genre=book&amp;rft.pages=90-91&amp;rft.place=Lima" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
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